Ein Meisterstück sächsischer Ingenieurskunst: Der große Muldentalviadukt in Wilzschhaus


tl_files/viawilzschhaus/pics/via1.jpgEine unabdingbare Voraussetzung für eine erfolgreiche Realisierung des Tourismusprojektes Schönheide/Carlsfeld und Umgebung ist der Wiederaufbau der großen Talbrücke der Schmalspurbahn im Schönheider Ortsteil Wilzschhaus. Dieser Viadukt zur Überwindung des breiten Tals der Zwickauer Mulde war bis zu seinem Abriss im Jahre 1980 ein einmaliges Musterbeispiel sächsischer Ingenieurskunst. Ausgeführt in Stahl und Naturstein war der Wilzschhauser Muldentalviadukt mit einer Länge von 162 Metern die längste Schmalspurbahnbrücke Sachsens. In harmonischer Art und Weise fügte sich das imposante Bauwerk in die liebliche Waldlandschaft des Erzgebirges ein. Nicht etwa ein Störfaktor, sondern eine Bereicherung der natürlichen Umgebung war diese Brücke. Die Überfahrt eines Zuges gestaltete sich jedes Mal zu einem Spektakel.


tl_files/viawilzschhaus/pics/via2.jpgEgal, ob ein Zug das Gefälle aus Richtung Schönheide Mitte hinab rollte – oder ob sich ein schwerer Güterzug mit zwei Lokomotiven die Steigung in umgekehrter Fahrtrichtung hinauf kämpfte: Jedes Mal war es ein einzigartiger Augenblick, Zeuge dieser Szenerie zu werden. Dabei spielte es keine Rolle, ob man sich als Reisender im Zug befand und knapp 13 Meter in die Tiefe schaute, oder ob man als Wanderer zu Füßen des Viaduktes wie gebannt auf den Zug herauf blickte. Der Muldentalviadukt Wilzschhaus war – und ist in der Erinnerung nach wie vor – ein einzigartiges Meisterstück. Er ist mit den Jahren ein Kultobjekt geworden, er ist ein Stück sächsische Identität.


tl_files/viawilzschhaus/pics/via3.jpgDoch dieses einmalige Wunderwerk muss nicht für immer nur eine Erinnerung bzw. eine Vision sein. Aus der Vision kann und soll Realität werden. „Neue Brücken für neue Horizonte“ heißt daher die Devise für das Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld und damit speziell auch für den großen Viadukt in Wilzschhaus. Im Rahmen des Neuaufbaus der Bahnverbindung zwischen den bereits wieder bestehenden Bahnhöfen Schönheide Mitte im Ortskern sowie Schönheide Süd im Ortsteil Wilzschhaus ist eine Wiedergeburt der anmutigen Talbrücke konkret vorgesehen, sie ist unabdingbar. In seinem zweiten Leben soll der Wilzschhauser Viadukt genau so aussehen, wie dies in seinem ersten „Leben” der Fall war.


Für die beiden heute noch vorhandenen Brückenwiderlager aus Naturstein sowie für die ebenso noch vorhandenen zwei Mittelpfeiler aus dem gleichen Baumaterial ist eine Sanierung mit anschließender erneuter Verwendung vorgesehen. Zwischen dem nördlichen Brückenwiderlager und dem ersten Zwischenpfeiler soll wie früher ein 28 Meter langer Gitterkastenbrückenträger aus Stahl die Verbindung herstellen. Den weiteren Verlauf der Brücke bilden zwei kontinuierliche Blechträger. Außer auf den beiden Mittelpfeilern sowie auf dem südlichen Widerlager ruhen diese Blechträger auch auf vier so genannten Pendelstützen, die ebenfalls aus Stahl hergestellt sind. Neben der Verbesserung der Statik des Viadukts dienen diese, in Dreiecksform gehaltenen zusätzlichen Stützen,auch dem Längenausgleich des Bauwerks, welcher sich durch die Temperaturschwankungen in den verschiedenen Jahreszeiten ergibt.