Das Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld und Umgebung


Das Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld und Umgebung ist ein Gesamtvorhaben in der Region Oberes Vogtland und Westerzgebirge. Ansatz des Projektes ist es, durch die Vernetzung der vielseitigen und kleinteiligen Angebote und Attraktionen die Tourismuswirtschaft in der Region zu stärken und damit die regionale Wertschöpfung zu erhöhen, Arbeitsplätze zu sichern und neu zu schaffen.  Eine wichtige Rolle bei der Vernetzung in der Region werden die historischen Eisenbahnen der Region spielen, die es im Rahmen des Projektes zu verbinden gilt. Durch gemeinsame vermarktungsfähige Angebote regionaler Partner entlang der verbindenden Infrastruktur gilt es, weitere Synergien zu nutzen. Mit dem Vorhaben besteht die Chance, ein Stück Heimat lebenswerter zu gestalten und die Wettbewerbsfähigkeit der Region zu erhöhen.

 

 

Wie soll eine bessere Vernetzung der Tourismuswirtschaft erreicht werden?

Kerngegenstand des Tourismusprojektes ist die Verbindung touristischer Einzelziele durch verschiedene touristische Wege. Neben Lehrpfaden, Wander- und Radwegen, sowie Skiloipen gehört die Reaktivierung bzw. der Neubau der Eisenbahnstrecken Wernesgrün – Schönheide – Carlsfeld (Schmalspur) und Schönheide – Muldenhammer – Muldenberg (Normalspur) zum Gesamtvorhaben. Zur Vernetzung zahlreicher etablierter und in den letzten Jahren neu entstandener touristischer Angebote bietet das konzipierte Streckennetz einen nachhaltigen Baustein.

 

Durch die Verbindung der vielseitigen touristischen Einzelattraktionen der Region mit verschiedenen Wegen für Aktivtourismus und den Bahnen soll es dem Gast ermöglicht werden, mehrere Ziele an einem Tag anzusteuern, ohne dabei auf eine PKW-Fahrt angewiesen zu sein.

 

Das Tourismusprojekt folgt dabei dem Beispiel der Urlaubsregion Harz / Harzer Schmalspurbahnen, wo das Verkehrsmittel Eisenbahn eine unmittelbare erschließende Wirkung für die Tourismusregion hat.  Mit dem Projekt soll zudem die Region Westerzgebirge/Oberes Vogtland langfristig von einer ausgesprochenen Tages- und Kurzurlaubergegend auch als Ziel längerer Aufenthalte entwickelt werden.

Braucht es zur Stärkung des Tourismus die Eisenbahn?

Ja! Auch, wenn Urlauber heute meist mit dem Pkw anreisen, ist es umso interessanter und wohltuender, innerhalb des Urlaubs das eigene Fahrzeug stehen lassen zu können, beispielsweise zum Rückweg nach einer Wanderetappe, einer Radtour oder dem Genuss eines frisch gezapften Wernesgrüner Biers. Dafür historische Bahnen als roten Faden durch die Region zu nutzen, ist ein Alleinstellungsmerkmal mit Erlebnischarakter. 

Kann der Tourismus zur wirtschaftlichen Stärkung der Region beitragen?

Ja! Die Region Westerzgebirge/Oberes Vogtland weist bezüglich der demografischen Entwicklung, ihrer Wirtschaftskraft und den daraus resultierenden Pro-Kopf-Einkommen einen deutlichen Abstand zur sachsenweiten Situation auf. So liegt das Bruttoinlandsprodukt in der Region um ca. 15 % hinter dem sächsischen Durchschnitt zurück. Damit in Verbindung stehen ungünstigere Perspektiven für jeden Einzelnen in der Region. Die Folge ist ein überdurchschnittlicher Rückgang der Bevölkerungszahl in Verbindung mit einem steigenden Altersdurchschnitt. So beträgt der Rückgang der Bevölkerungszahl in der Region jährlich ca. 1,2 % und liegt damit mehr als doppelt so hoch wie im sächsischen Durchschnitt. Dies resultiert aus einer geringeren Geburtenrate und einer höheren Abwanderung. Der Altersdurchschnitt in der Region liegt derzeit mit ca. 47 Jahren bereits um zwei Jahre über dem sachsenweiten Durchschnitt

 

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Abbildung: Vergleich des Saldo der Bevölkerungsentwicklung sachsenweit mit der Situation im Erzgebirgskreis und im Vogtlandkreis sowie dem Altkreis Schwarzenberg – die sachsenweit bereits im negativen Bereich liegende Entwicklung ist in der Region in wesentlich stärkerem Umfang und mit höherer Dynamik spürbar

 

 

 

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Abbildung: Vergleich der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes pro Kopf sachsenweit mit der Situation im Erzgebirgskreis und im Vogtlandkreis sowie dem Altkreis Schwarzenberg

 

 

Auf den Punkt bringt die Situation ein europaweiter Vergleich zu den Entwicklungsperspektiven verschiedener Standorte. Im, von der Zeitschrift Manager-Magazin im Jahr 2010 veröffentlichten EU-Standortranking wurden mehr als 1.000 Standorte im Hinblick auf ihre Zukunftschancen als Wirtschaftsstandort verglichen. Dazu wurden 25 Standortfaktoren untersucht, von der Demografischen Entwicklung bis hin zur Branchenstruktur sowie der Innovations- und der Wettbewerbsfähigkeit. Unter 429 untersuchten Regionen in Deutschland belegte dabei der Altkreis Aue-Schwarzenberg den Platz 416 und damit den letzten Platz der verglichenen sächsischen Standorte. Eine weitere Erhebung, der Zukunftsatlas 2010 des renommierten Prognos-Instituts bestätigt die Aussagerichtung des zitierten Standortrankings erneut. In der Prognos-Erhebung kommt der neue Erzgebirgskreis nur auf Platz 382 von 412 deutschen  Regionen.

 

Gründe hierfür sind beispielsweise ein Aufholbedarf von 15 bis 20 % allein zum sächsischen Landesdurchschnitt bei Wertschöpfung und Produktivität der regionalen Unternehmen trotz einer guten Industriedichte. Die kleinteilige Unternehmenslandschaft fungiert oftmals als Zulieferer mit einem geringeren Innovationsgrad und damit geringeren am Markt erzielbaren Gewinnen. Daher wird auch auf absehbare Zeit das Wachstum der vorhandenen Industriebetriebe nur bedingt in der Lage sein, zusätzliche Arbeitsplätze im erforderlichen Umfang nachhaltig schaffen zu können.

 

Aus diesem Grund tritt das Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld und Umgebung an, den Tourismus als zweite wichtige Wirtschafts- und Beschäftigungssäule in der Projektregion zu stärken. Durch die Vernetzung der kleinteiligen regionalen Angebote gilt es, die Schlagkraft zur konzeptionellen Zusammenarbeit und Vermarktung nach außen zu stärken. Das Bestreben, Vorhandenes zu stärken und zu vernetzen, deckt sich mit der neuen Tourismusstrategie des Freistaates Sachsen und anderen regionalen Entwicklungszielstellungen.

Es gilt das Potential der Heimatregion zu nutzen, um im touristischen Wettbewerb wie auch als Lebens- und Wirtschaftsstandort mit anderen ebenfalls attraktiven Regionen konkurrenzfähig zu bleiben.

Vor diesem Hintergrund sollten und müssen Erhebungen wie der zitierte EU-Standortvergleich, auch wenn sie auf den ersten Blick sicherlich wenig schmeichelhaft sind, genutzt werden, um aus der Analyse Aufgaben abzuleiten, mit denen die Region vorangebracht werden kann.

Ist die Eisenbahn tatsächlich in der Lage, die Tourismuswirtschaft voran zu bringen?

Ja! Dies zeigt – unter anderem – das Musterbeispiel Harzer Schmalspurbahnen, aber auch die Tourismusbahnen „Molli“ in Mecklenburg und „Rasender Roland“ auf Deutschlands größter Insel Rügen. Diese nahezu ausschließlich touristisch genutzten Schmalspurstrecken tragen dort in umfangreichem Maße zur Belebung der Wirtschaft bei. Erfolgsrezept ist jeweils eine intensive Vernetzung mit der umliegenden Tourismuswirtschaft. Einfach nur Züge fahren lassen bringt allein keine ausgebuchten Übernachtungskapazitäten in Hotels und Pensionen, keine frequentierten Restaurants und Gaststätten, keine belebten Skipisten und Erlebnisbäder. Aber: Sind touristische Eisenbahnen und die „übrige“ Tourismuswirtschaft durch gemeinsame Angebote und Vermarktung miteinander verzahnt, dann stellen sich sehr große Synergieeffekte ein.

 

Genau wie beim Musterbeispiel Harzer Schmalspurbahnen (HSB): 1993 gegründet, haben sich die HSB in den letzten knapp 20 Jahren zur wichtigsten Touristenattraktion im Harz entwickelt. Die HSB betreiben ein über 140 km langes Schmalspurbahnnetz, welches in den vergangenen Jahren erweitert wurde und von der Weltkulturerbestadt Quedlinburg bis auf den Brocken reicht. Die Brockenbahn ist zwar die „Paradestrecke“ der HSB. Doch wurde es durch ein ausgeklügeltes Marketing und vernetzte Angebote geschafft, die Gäste auch auf die Harzquer- sowie die Selketalbahn zu lenken, an denen wie in der hiesigen Region viele kleinteilige Angebote bestehen.

 

Eine vielbeachtete Studie zur regionalen Wertschöpfung durch die Harzer Schmalspurbahnen besagt, dass die von der Bahn angestoßene jährliche Wertschöpfung in der Harzregion knapp 37 Mio. Euro beträgt (2008). Davon entfallen etwa 6 Mio. Euro auf die HSB selbst – die übrigen 31 Mio. Euro aber auf die Teile der Tourismuswirtschaft, die allein deshalb Umsätze erzielen, weil Menschen wegen der HSB in den Harz kommen. Eine Schmalspurbahn in einer Tourismusregion ist also in der Lage, ein Vielfaches dessen, was sie selbst an direkter Wertschöpfung schafft, zusätzlich an indirekten Umsätzen zu generieren. Hotels, Pensionen, Gastronomie sowie andere Einrichtungen profitieren davon, dass Gäste ausschließlich wegen der HSB in den Harz kommen! Und obwohl die HSB selbst „nur“ 230 Arbeitnehmer beschäftigen, schaffen die HSB weitere 919 Vollzeit-Arbeitsplätze im Tourismus. Somit existieren 9 % aller Beschäftigungsverhältnisse in der Region ausschließlich wegen der Schmalspurbahn.

 

Für unsere Region bedeutet dies: Auch die Bahnen hier sind potenziell in der Lage, Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte zu schaffen, neue Gästegruppen zu erschließen und längere Aufenthalte in der Region attraktiv zu machen. Die Grundlagen dafür sind vorhanden: Die herrliche Landschaft, vielfältige Angebote, die zentrale Lage. Es braucht aber eine geeignete Vernetzungsstruktur. Diese zu schaffen, ist das Ziel des Tourismusprojektes Schönheide/Carlsfeld und Umgebung.

 

Durch wen und in welchen Schritten soll das Tourismusprojekt verwirklicht werden?

Die Initiative für das Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld und Umgebung kommt aus der Region selbst. Die Anliegergemeinden stehen hinter dem Projekt. Zur Wahrnehmung der vielfältigen Aufgaben ist seit Beginn des Jahres 2011 ein von der Gemeinde Steinberg getragenes und durch eine ILE-Förderung unterstütztes Projektmanagement aktiv geworden, welches bis September 2012 in intensiver Form konzeptionell tätig wird. Das Projektmanagement untersucht, in welcher Form die Projektetappen wirtschaftlich, technisch und juristisch realisiert werden können bzw. leistet konzeptionelle Vorbereitungen für die Planung touristischer Angebote und deren Vernetzung. Auch darüber hinaus wird das Projekt durch Arbeitsgruppen mit den Schwerpunkten Bahnen und Tourismus, besetzt mit Fachvertretern und Leistungsträgern aus den Umfeldorten, den Landkreisen Erzgebirge und Vogtland und sachsenweit begleitet.

 

Die bahnbezogenen Vorhaben des Tourismusprojektes Schönheide/Carlsfeld und Umgebung beinhalten die folgenden vier Hauptprojektabschnitte, die voraussichtlich in der folgenden Reihenfolge verwirklicht werden sollen:

 

tl_files/viawilzschhaus/pics/karte_etappen_300.jpgEtappe 1: Wiederanbindung der seit 2008 von der Motordraisine „Wernesgrüner Schienen-Express“ im Inselbetrieb genutzten Regelspurstrecke Schönheide Ost – Schönheide Süd – Muldenberg im Bahnhof Muldenberg an das von der Vogtlandbahn genutzte Regionalbahnnetz.

 

Etappe 2: Der Wiederaufbau der 1977 eingestellten Schmalspurbahn Schönheide Süd (Wilzschhaus) nach Schönheide Mitte zur Herstellung des Anschlusses an die in den 1990er Jahren wiederaufgebaute Museumsbahn Schönheide nach Stützengrün. Der Schmalspurteil des Bahnhofs Schönheide Süd (Wilzschhaus) wurde ebenfalls bereits 2007 wieder aufgebaut.

 

Etappe 3: Der Wiederaufbau der 1967 eingestellten Schmalspurbahn Schönheide Süd (Wilzschhaus) – Carlsfeld. Der Bahnhof Carlsfeld wurde bereits 2004 wieder aufgebaut.

 

Etappe 4: Neubau einer bereits einmal geplanten, aber bisher nicht realisierten Verlängerung der Schmalspurbahn ab Stützengrün bis zur Wernesgrüner Brauerei.

 

Nach der Realisierung der einzelnen, dargestellten Projektabschnitte sollen die fertig gestellten Streckenteile für einen touristisch geprägten Bedarfsverkehr genutzt werden.

Wie kann man zum Gelingen des Tourismusprojektes beitragen?

1. Unterstützen Sie den Förderverein Via Wilzschhaus e.V. und werden Sie Mitglied!

 

2. Unterstützen Sie die Spendenaktion „Via Wilzschhaus“ der Stiftung Sächsische Schmalspurbahnen!