Wiederaufbauaktivitäten seit 1990: Ein Pilotprojekt wird zum Erfolg!


tl_files/viawilzschhaus/pics/aufbau.jpgSachsens erste Schmalspurbahn von Wilkau-Haßlau – Schönheide – Carlsfeld hatte schon seit den 1920er-Jahren eine stets wachsende Bedeutung für den Tourismus. Tausende Urlauber und Tagesausflügler nutzten das Bähnchen in zunehmendem Maße – bis in den 1970er Jahren das Aus für die Strecke kam. Wirklich akzeptieren wollte das Ende der Schmalspurbahn niemand – zu keiner Zeit. Unmittelbar nach der Stilllegung war der Verlust am schmerzlichsten. Beim Abriss der großen Talviadukte standen nicht wenigen Zuschauern die Tränen in den Augen. Schon in den 1980er-Jahren kamen die ersten Wiederaufbaugedanken in den Anliegergemeinden auf, doch zu DDR-Zeiten waren solche Vorhaben nicht denkbar.

Die Wende brachte hier sprichwörtlich die entscheidende Wende: Im Jahre 1991 begann unter Regie der neu gegründeten Museumsbahn Schönheide e.V. der Wiederaufbau der Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau – Carlsfeld als Museumsbahn zwischen den Bahnhöfen Schönheide Mitte, Neuheide und Stützengrün Bürstenfabrik auf einer Länge von vier Kilometern.

tl_files/viawilzschhaus/pics/aufbau2.jpg1993 fuhren die ersten Dieselzüge, im Jahr darauf fanden die ersten Fahrten unter Dampf statt. 1997 und 2001 gingen zwei Streckenverlängerungen in Betrieb. Drei der legendären IV K-Dampflokomotiven nennt die Museumsbahn Schönheide ihr Eigen. An rund zehn Wochenenden im Jahr pendeln die Züge mit großem Erfolg zwischen Stützengrün und Schönheide und ziehen dabei Heerscharen von Urlaubern, Ausflüglern und Eisenbahnfreunden magisch an. Der Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen e.V. (FHWE) betreibt die Regelspurstrecke Schönheide Süd – Hammerbrücke im Tourismusverkehr. Im Vogtland fährt man seit Ende der 1990er Jahre bequem mit der Vogtlandbahn.

Der moderne und auch von Urlaubern und Ausflügern sehr gern genutzte Triebwagenverkehr erschließt inzwischen fast die komplette Fläche des Vogtlandes. Was aktuell noch fehlt, ist die Verbindung zwischen Vogtlandkreis und Erzgebirgskreis zwischen Muldenberg und Schönheide. Doch dort liegen die Gleise noch und sollen in Zukunft wieder intensiv genutzt werden, vor allem an Wochenenden und in der Ferien- und Urlaubszeit. Moderne Triebwagenverkehre und zu besonderen Anlässen historische Dampfzüge können sich dabei in idealer Weise ergänzen und die Menschen in die Region locken. In Wilzschhaus (Bahnhof Schönheide Süd) kreuzten sich die Schmalspurstrecke und die Normalspurbahn. Wilzschhaus ist somit Spurwechselbahnhof, weshalb der FHWE 2007 den dortigen Schmalspurteil neu errichtete. Auch am südlichen Endpunkt der WCd-Linie, in Carlsfeld, liegen seit 2004 wieder 750-mm-Gleise. Die große Aufgabe für die kommenden Jahre muss und kann nur darin liegen, die bereits jetzt vorhandenen Einzelbestandteile Sachsens einst erster und längster Schmalspurstrecke miteinander zu verbinden sowie den Anschluss an die Normalspur vom Erzgebirge zum Vogtland herzustellen. Noch haben die wieder aufgebauten Gleise keine übergeordnete Verbindungs- und Erschließungsfunktion für die Region. Noch braucht der Besucher den Pkw, um die einzelnen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke erkunden zu können. Noch fehlt zur Verbindung der Bahnhöfe Schönheide Mitte und Schönheide Süd der große Talviadukt in Wilzschhaus. Noch müssen neue Brücken für neue Horizonte erst gebaut werden – doch Stück für Stück kann aus einem Wunder Wirklichkeit werden.